Platz für sie finden

Die vielen Zettel: unzählige Ideen, Skizzen, Verse, Zeichnungen, Entwürfe, Formulierungen. Irgendwann entstanden, zwischendurch, zum Zeitvertreib oder weil es dringlich war, in einem Café, in einem Zug unterwegs nach wohin. Anflüge und Einfälle. Blitzeinschläge, jäh und heftig. Ausschließlich Fragmente, undatiert. Bruchstücke zu einem unvollendbaren Ganzen. Scherben, funkelnd oder matt. Muschelklein. Gewisse Erkenntnisse, Schlußfolgerungen, vorläufige Formeln. Provisorien des Verstehens in schwankender Tagesform. Gefühlsausbrüche. Ich bestaune diese vielen Zettel und lege sie sorgfältig aufeinander. In manchen Notizen höre ich die alte Leier. Das ist eine Tonlage von mir, die mich langweilt. In ihr hänge ich an etwas fest, das nicht gut ist. Wie soll ich die Haltung, die sich darin zum Ausdruck bringt, benennen? Ein heroischer Stolz der Verzweiflung – vielleicht trifft es das. Wenn jemand mit hohen Erwartungen in dieses Erwachsenenleben stieg, dann war ich es. Da ich aufräume und sortiere, kommt mir all das entgegen, was ich einmal annahm und dachte. Auch in Form dieser kleinen Zettel, für die ich nun eine Verwendung suche oder einen schmalen Platz am Rande eines Fachs in einem Schrank. Fast hätte ich Lust, sie in Gedichten unterzubringen. Gedichte haben Sinn für die Versprengten des Zusammenhangs.


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