Es müssen Urgefühle sein, die mich den Farnen zuführen und sie mich bewundern, wenn nicht verehren lassen. Zimmerfarnen und eingetopften Farnen gilt dies nicht, sie lassen mich kalt, ich lehne sie ab. In den Wäldern der alten Heimat suchte ich die Farne am Waldrand und fand sie im Sonnenlicht grünen, ihre gefiederten Blätter weit ausgestreckt, leuchtend. Als kämmten sie Wärme aus der Luft und griffen leicht nach Licht. Etwas Tropisches haftet ihnen an, und tatsächlich wachsen dort die riesigen Baumfarne mit den langen Farnwedeln. Jederzeit kann ein Tiger aus dem Dickicht springen. Einen Schimmer solcher Gefährlichkeit tragen die Farne in unsere Breiten. Lars von Trier hat in Antichrist gezeigt, daß er die Farne sieht und versteht. Bevor die Farnwedel sich ausrollen, sehen sie aus kleine Hirtenstäbe. Berührt man sie, nicken sie und stellen sich kurz darauf zurück an Ort und Stelle. Sie haben mit uns nichts zu schaffen. Obwohl wir ihnen verdanken, was an Wäldernacht (Rothmann) in den Tiefen liegt. Das beruhigt oder beunruhigt. Ich kann mir vorstellen, daß die Farne auf andere abstoßend wirken. Als spräche aus ihnen alte, unheimliche Macht. Ein anderes Urgefühl überkommt mich am offenen Feuer, doch ist das ein anderes Thema.
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