Schätzen und geschätzt werden

Unterschätzte Serien, unterschätzte Filme, unterschätzte Bands. Die Klagen sind lang und langweilig. Wer wäre nicht unterschätzt? Demnach nur jene nicht, die geschätzt werden. Was machen wir mit den anderen? Wollen wir die nicht endlich mal schätzen? Das geht recht einfach: Jeder nimmt sich einer erstbesten unterschätzten Sache oder Person an und preist sie laut. Wer in dieser ersten Offensive vergessen wird, meldet sich zu Wort und reklamiert sein Recht auf Wertschätzung. In zwei bis drei Gängen sollte das Problem behoben sein. Herrscht noch immer keine Gerechtigkeit, überlegen wir uns etwas Neues.

Es gibt Festivals für notorisch unterbewertete Bands und Einzelkünstler, die den Sprung nach „ganz oben“ nicht geschafft haben. Oben neben dem Gipfelkreuz ist allerdings wenig Platz. Das ergibt ein unschönes Gedränge, so daß niemand die Aussicht wirklich genießen kann. Dauernd wird man angerempelt und soll dieses oder jenes tun, um seinen Platz zu behaupten. „Ganz unten“ sieht es nicht besser aus. Erbitterte Kämpfe um die Wurstpelle, die vom Speisetisch der Herrschaft auf den Boden geworfen wird, wo die hungrigen Hunde warten.

Frage zum Schluß: Ist es besser, unterschätzt oder überschätzt zu werden?


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