Für Holden Caulfield

Von der Schule geflogen, drei Tage allein unterwegs in Manhattan, die rote Jägermütze verkehrt herum auf dem Kopf (aus Protest). Die Eltern wissen nichts, er traut sich nicht nach Hause. Der einzige Mensch, der ihm wirklich etwas bedeutet, ist seine kleine Schwester Phoebe. Sie ist es, die ihm am Ende die Mütze richtig herum auf den Kopf setzen darf. Holden hat keinen Platz in der Welt. Die Menschen sind eine Enttäuschung, vor allem die Erwachsenen. Er findet sie verlogen. Und die Heranwachsenden seines Alters geben sich bereits redliche Mühe, genauso erbärmlich zu werden. Denken, Sprechen und Handeln klaffen derart auseinander, daß es schmerzt. Holden empfindet mit ihnen, selbst wenn sie Verachtung verdienen. Er ist der Fremde unserer Zeit, noch immer. Das kommt davon, wenn man mit großen Erwartungen antritt. Wenn der Roman längst zuende ist, bleiben die Fragen und erneuern sich sogar. In welches Arrangement wird sich der Erzähler begeben müssen, um in dieser durch und durch relativen Wirklichkeit zu überleben? Ja, die Menschen verhalten sich oft schäbig – das liegt daran, daß sie so klein sind und arm. Sie möchten ja gut sein, aber dann reicht es wieder nicht. Letztlich gewöhnen sie sich an ihre Mickrigkeit und werden zum krönenden Ende auch noch gehässig und bösartig und beschweren sich, daß sie wurden, wie sie sind. Das alles versteht Holden Caulfield mit nachtwandlerischer Sicherheit. Nur weiß er noch nicht, wie er durch dieses Verstehen hindurch kommt. In ihm ist eine große Güte und Menschenfreundlichkeit – und er hat Phoebe.


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