Die „Mehr wollen wir ja gar nicht“-Mentalität anspruchsvoller Bürgerkinder. Was hat sie so häßlich gemacht? Ab dem Alter von ungefähr dreißig werden sie unerträglich, als Paare treten sie alles platt und boxen zur Seite, was ihnen unter die Füße gerät oder im Weg steht. Ihre Kinder sind die besten und klügsten der ganzen Welt und werden verpimpelt, daß man wegsehen muß. Mehr wollen wir ja gar nicht – eine lange Liste. Ihre Aufzählungen dessen, was sie „no goes“ nennen (sie meinen Verhaltensweisen oder Dinge, die sie nicht wünschen), ist ebenso lang. „Das geht ja gar nicht“, sagen sie und wissen, daß es sehr wohl geht. Sie möchten in einer ganz bestimmten Welt leben, nicht in dieser. Daher rotten sie sich zusammen und leben unter ihresgleichen in Stadtgebieten, die mit ihrem Erscheinen unbewohnbar werden. Sie sind beschwerdefreudig und agieren denunziatorisch. Ihre Dünkelhaftigkeit läßt sie die Nase rümpfen, wenn ihnen ein Mensch, ein Tier, ein Fahrzeug, eine Brille nicht paßt. Morgens joggen sie zum Bäcker, abends hetzen sie sonstwohin. Ab zum Elternabend, den Lehrer nerven. Ihre gesamte Strategie basiert auf der Vorstellung, daß sie erst dann, wenn die Bedingungen 1-101 erfüllt sind, glücklich und zufrieden sein werden. Vorher quält sie das Falsche und Uncoole. Sie sind eitel wie die Pest und geben sich auch dann noch, wenn es längst nicht mehr nötig ist, den Anschein jugendlicher Lockerheit. Dabei waren sie niemals „locker“, und Jugendliche oder junge Erwachsene sind eines mit Sicherheit nicht: entspannt oder locker. Sie tun nur so, damit man sie nicht bemerkt. Sie ist die Anspannung. Sie beherrscht auch diese anspruchsvollen Bürgerkindererwachsenen, die alles richtig machen wollen und ein 1a-Leben meinen hinlegen zu müssen. Wozu bloß? Warten sie auf den Zeugnistag und die Notenvergabe? Fühlen sie sich nicht gerechtfertigt? Ich frage nicht weiter, denn ab jetzt tut es weh.
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