Kühler Tag, unten alles grün, oben alles grau. Ins Museum gehen oder ins Kaffeehaus an den hintersten Tisch. Nachteil: die Toilettengänger passieren diesen letzten Posten. Kaffee und Kuchen, Cognac oder Sherry Medium Dry. Dazu haltbare Gedichte wie die von William Carlos Williams, notfalls eine Zeitung. Eine Ewigkeit her, daß ich in einem richtigen Kaffeehaus saß mit vernünftigen Kellnern, die ihr Handwerk verstehen und unaufdringlich herrschen.
Ein Kellner darf nicht mit sich beschäftigt sein. Er ist ein schlechter Kellner, wenn er „eigentlich“ MusikerMalerSchriftsteller ist. Aus diesem Grund war ich auch einmal ein schlechter Kellner, ehe man mir dieses Eigentliche austrieb. Von da an ging es besser. Manche sind eigentlich Künstler, um nicht auch noch Mensch sein zu müssen. Elitepinsel. Leider vonnöten, da es Aufgabe der Übertretungen ist, die Grenzen aufzuzeigen. Andere sind sympathisch, können aber wenig. Gehört auch zum Plan.
Diese große Stadt ist nicht kaffeehausfähig. Ins Einstein zu gehen bedeutet schausitzen. In den Nebenstraßen des Kurfürstendamms zuviel Schminke und Putz. Ich habe diesen Sommer noch nichts vor. Vielleicht suche ich Kaffeehäuser. Eines wird sich doch finden lassen. Dann muß ich es nur noch verschweigen lernen. Schauspieler sind bessere Kellner deshalb, weil sie einfach so tun können, als sei ihr Brotjob die nächste Rolle. Oft genug bleibt er das ja auch. Diese Rolle ist eine des souveränen Dienens, eine überaus anspruchsvolle Angelegenheit. Man spielt nicht nur, man ist es.
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Fantastisch, dieser lapidare Stil! Er steht Dir besonders.
„Kühler Tag, unten alles grün, oben alles grau. Ins Museum gehen oder ins Kaffeehaus …“
Klar, diesen Tag kann ich auch gleich riechen.
Köstlich, Dein Auflachen-Machen. „… an den hintersten Tisch. Nachteil: die Toilettengänger passieren diesen letzten Posten.“
… kann ich irgendwie auch riechen und macht mich lachen …
Kunstvoll: dass Du in dieser Umgebung eine („ontologische“) Aussage zur Trias Kellner-Künstler-Mensch machst.
Berührend: wie Du sie machst und Dich selbst darin schilderst. „Aus diesem Grund war ich auch einmal ein schlechter Kellner, ehe man mir dieses Eigentliche austrieb. Von da an ging es besser.“
Dann wieder: eine Persiflage der Technik-orientierten Sprache unserer Zeit in sechs Worten. „Diese große Stadt ist nicht kaffeehausfähig.“
„Vielleicht suche ich Kaffeehäuser. Eines wird sich doch finden lassen. Dann muß ich es nur noch verschweigen lernen.“ Das Lachen muss wieder heraus … Der Hauch ironischer Melancholie … täuscht er mich darüber hinweg, dass Du das Erlebnis der Masse auch nicht missen möchtest, weil es zu dem Leben gehört, dass Du ohne Einschränlungen leben möchtest?
„Souveränes Dienen“ – nachdenkenswert.