Ich liebe die Skizze, die Schraffur, den Versuch, die erste Notiz, das Ungesicherte (das Fragment). Kein Kunstwerk soll Festung sein, fertig, abgeschlossen und zu, es sei denn, die Gründe reichen tief. Ich liebe diejenigen, die sich riskieren. Ich habe einen Autor brennen und erlöschen sehen, er rief voller Inbrunst: „Wir leben. Morgen schon können wir tot sein. Es lebe die Poesie!“ Er war die Kerze mit den zwei Enden. Ich war zu jung, um ihm helfen zu können. Ich bewunderte ihn, er tat mir leid. Beides zugleich. Um ihn saßen diese deutschen Konfirmanden, auch Autoren, aber hilflos wie Beschränkte, wie abgemurkste Existenzen nach sonstwas suchend, jedenfalls nicht wirklich dort, an jenem Tisch nämlich, von dem der Belgier, der für einen bedeutenden, sagen wir: nicht ganz unwichtigen französischen Verlag lektorierte, aufgesprungen war im Andrang des Gefühls, einer Wallung, um auszurufen, was alle doch vereinen konnte. Die ungeheure Sehnsucht nach einem echten oder wirklichen Leben und das wissende Ungenügen, solches nicht bewerkstelligen zu können. Darüber wäre doch zu sprechen oder zu klagen gewesen. Nichts da. Die deutschen Konfirmandenautoren gingen schlafen, aufgewühlt und sprachlos, erneut sprachlos. Die deutsche Seele. Ich weiß schon, ich weiß schon. Tief, unergründlich, schweigsam. Zurück zur Skizze.
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