Ich bin seltener unglücklich als früher. Nicht mehr so enttäuschungsbereit. In mir fast schon zuhause. Die menschengemachte Wirklichkeit betrachte ich wie eine Installation. Sie stellt mir Fragen über die beteiligten Künstler und den Gemeinsinn ihrer Arbeit. Ich bin nicht mehr so gierig und unerfüllt. Ich weiß, daß an der Welt nichts zu verbessern ist, an mir selbst kann ich ja noch ein bißchen herumdoktorn. Meine Ansichten und Meinungen türmen sich etagenhoch, ob sie benötigt werden, weiß ich nicht. Gute Zeit auszumisten und die Lasten des Gepäcks zu verringern. Gestern auf der Autobahn diese Karawane der Reisenden ohne inneres Ziel, die Millionen Lichter ihrer Bewegungen durch die Nacht, auf Straßen, die den Gefäßen und Blutbahnen eines gigantischen Organismus‘ ähneln, und jeder dieser Reisenden strebte einer bestimmten Zelle dieses Organismus zu. Das Kunstwerk ist gewaltig.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.