Geburt der Grausamkeit

Auch nicht mehr so kopfüber verzweifelt und bis in die Tiefe zerrüttet, erschüttert, zerstört. Aufbauarbeit über Tage und Wochen, manche Wunden heilten nie. Es war, als liefe es aus allen Öffnungen, Blut und Eiter, ich war ein einziger Wundstarrkrampf. Eine Sehnsucht nach Stille und echtem Begreifen – in die Berge, in den Wald – doch das tägliche Leben brauste und riß an mir wie an einem kleinen, schlecht gebauten Haus. Gott, ich möchte nie wieder dorthin zurück. Vitalität ist die Spezialität der Jugend, eine Freude-durch-Kraft-Mentalität, die über alles hinwegzusteigen versucht, als sei es bloß Hundekot. Dabei sammelt sich die Essenz aller Niederlagen und Demütigungen in einer Schublade unter dem Heizkessel. Feuer ist Verbrennung, kalte Asche eines der Verbrennungsprodukte von Holz oder Kohle oder Mensch. Wäre es nur Asche, wäre es gut; man kippte sie über die Reling oder füllte sie in ein geweihtes Gefäß. Ich will etwas anderes sagen: Eine Zeitlang kann man so tun, als sei alles gut. Irgendwann funktioniert das nicht mehr, dann wird man Mensch oder grausam.


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