Politik poetisieren?

Poesie ist nicht Widerstand – denn dann bezöge man sich auf einen Gegner oder Feind, dann wäre Poesie tatsächlich nur politisch und überdies Reaktion. Ich denke darüber nach, weil neben mir das Monatsmagazin der Berliner Verkehrsbetriebe liegt, auf dem Konstantin Wecker abgebildet ist, der im abgedruckten Interview behauptet, Poesie sei genau dies, nämlich Widerstand. Poesie kann politisch wirken, das haben wir in der Schule gelernt und im Studium ein wenig vertieft. Aber ihre Macht liegt außerhalb dessen, worauf man sich in Abstimmungsvorgängen oder blutigen Schlachten schließlich einigen muß. Poesie ist näher an Gesang, Beichte und Gebet als an der Predigt. Sofern Erzählungen poetisch sind, offenbaren sie ein tieferes Wissen vom Menschen als jenes, mit dem die Politik vorlieb nehmen muß. Die Politik kümmert sich um die Vielen, die Poesie spricht zum Einzelnen. Deshalb ist es auch heikel, sein Lieblingslied vorzuspielen oder einen Text vorzulesen, in dem alles steht.


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Politik poetisieren?

Ein Gedanke zu „Politik poetisieren?“

  1. Dorothea Prall schreibt:

    Holger, seit einzwei Monaten verfolge ich deine Einträge. Sie berühren mich (meistens) und lassen Erinnerungen aufsteigen an die verflossenen Zeiten (immer). Gleichzeitig versuche ich mir vorzustellen, wie Du lebst. Und da die Zeit so schnell verfliegt, werde ich (oft) ein wenig traurig.
    Herzliche Grüsse aus Strassburg
    Dorle.

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