Die Landschaften schreien leise

Vor Jahren einmal war ich wandern und habe mich mit Landschaften beschäftigt und nachgedacht, welchen Einfluß sie haben auf diejenigen, die in ihnen leben und wirken. Die Beziehung ist wechselseitig: Menschen sind landschaftsgeprägt und landschaftsprägend. Man spricht von Kulturlandschaft. In einem Lied war einmal die Rede von „erfahrener Erde“, das hat mir damals gut gefallen. Ja, die Landschaften sprechen, sie zeigen die Wälder und Felder, die Wege und Straßen, die Häuser und Gärten, die Flüsse und Seen, die Industrie- und Gewerbegebiete, die Minen und die Gruben, die Friedhöfe und die Heiligtümer, die Sport- und die Vergnügungsstätten, die Tankstellen und die Rasthöfe, die Schlachtfelder und die Kasernen, die Kanäle und die Sickergruben, die Kali- und die Müllberge, die Wiesen und Weiden, die Fisch- und die Löschteiche und vielerlei mehr. Wer die Landschaft lesen lernt, beginnt zu erkennen, was hier los war die Jahrtausende zuvor. Einfach war es nie. Ein wenig verstehe ich die deutschen Mentalitäten, man kann sie sich erklären. Aber manchmal wird es zuviel damit, dann spüre ich dieses Gedrückte und Gefesselte, und es macht so wahnsinnig, daß ich schreien möchte. Aaaaah. Öaaah. Wie ein Erwürgter, wie einer am Galgen, den der Tod nicht will.


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