Einen Punkt machen

Nach dem, was ich aus der Geschichte und den Geschichten entnehme, waren unsere Vorfahren in vielem kaum anders als wir. Auch sie waren selbstungewiß, vorsichtig, überschäumend, auftrumpfend, peinlich, versehentlich, klügelnd, feilschend, abergläubisch, bauernschlau, mondsüchtig, unbelehrbar, verloren, verstiegen, aberwitzig, treu, treudoof, abgeschrieben, angezeigt, ausgepfiffen. Doch von Zeit zu Zeit machten sie einmal einen Punkt, wünsche ich mir. Einen Punkt machen: herauszutreten aus der Eigennützlichkeit und Selbstbedauerung, aus der Schafsfrömmigkeit und dem Duldungsgehorsam eines Opferlamms, dem Daseinsegoismus eines schönen oder schrecklichen Tiers, den Kämpfen und Krämpfen der blutig zuckenden Kreatur. Einen Punkt machen. Sich unterscheiden, sich abwenden von dem Getümmel und Gewimmel, der Selbstverständlichkeit des bloßen Dazugehörens, eine Tat begehen, die das übersteigt, was zu erwarten ist und womit gerechnet werden kann. Nicht tun, was getan werden muß, sondern exakt ein anderes tun, fast schon kontrafaktisch und ins Weite, Freie und Ungesicherte weisend.


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