Das eigene Lied

Die Musik greift nicht mehr, ich habe es versucht. Ich nehme es als ein gutes Zeichen, als einen Hinweis. Ich kann mich nicht mehr von anderen Leuten spielen lassen. Früher legte ich gewisse Titel auf und ließ mich befreien, ich hörte sie laut und heftig, ich empfand sie stark und rückhaltlos. Ich sang mit, ich schrie die Phrasen, derer ich bedurfte. „Oh, nothing is forgotten or forgiven“ und so weiter. Daran ist nichts kleinzuschreiben nachträglich, es war wichtig, es war richtig, es war gut. Jetzt ist es anders: ich kann selbst ein wenig sprechen, manchmal sogar für mich, nicht nur gegen. Die anderen (die Helden, die Stellvertreter) helfen nicht mehr unmittelbar, doch es ist gut, daß sie da sind oder da waren, eine lange Zeit. Es dauert nämlich, innerhalb unserer komplizierten Lebensverhältnisse besonders, auf die Beine und zu Verstand zu kommen, mündig zu werden und sich ein Lied vorzuspielen, das es noch nicht gibt.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Das eigene Lied

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert