„Merkwürdig, ich kann in diesem Klima nicht atmen. Die Luft ist völlig geruchlos, morgens und abends gleich, im Haus wie im Garten. Und es gibt keine Jahreszeiten. Überall gehörte es zu meinen Morgenverrichtungen, mich aus dem Fenster zu beugen und Luft zu schnappen; hier habe ich diese Verrichtung gestrichen. Da ist weder Rauch noch Grasgeruch zu haben. Die Pflanzen kommen mir vor wie die Zweige, die wir als Kinder in den Sand steckten; zehn Minuten später hingen die Blätter welk herab. Immerfort wartet man, auch hier könnte die Bewässerung plötzlich abgestellt werden, und was dann? Mitunter, besonders im Auto nach Beverly Hills fahrend, nehme ich so etwas wie Züge einer Landschaft wahr, die ‚eigentlich‘ anziehend wirken: Sanfte Hügellinien, Zitronengebüsch, eine kalifornische Eiche und auch die eine oder andere Tankstation ist eigentlich lustig; aber all das steht wie hinter einer Glasscheibe, und ich versuche unwillkürlich an jeder Hügelkette oder an jedem Zitronenbaum ein kleines Preisschildchen. Dieses Preisschildchen sucht man auch an Menschen.“
Bertolt Brecht, Arbeitsjournal, 21. Januar 1942
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