Ins Fenster

„Durch das Zuviel-Arbeiten sündigt man am Leben und an der Arbeit selber.“ Ein Zitat von Paula Modersohn-Becker, heute über das Berliner Fenster, das sogenannte U-Bahn-Fernsehen der Berliner Verkehrsbetriebe, verbreitet. Die früh verstorbene Malerin sagte auch: „Daß ich mich verheirate, soll kein Grund sein, daß ich nichts werde.“ Und auch dies: „Es ist meine Erfahrung, daß die Ehe nicht glücklicher macht. Sie nimmt die Illusion, die vorher das ganze Wesen trug, daß es eine Schwesterseele gäbe.“ Vor kurzem las ich noch: „Traurigsein ist wohl etwas Natürliches. Es ist wohl ein Atemholen zur Freude, ein Vorbereiten der Seele dazu.“ (Es ist nicht wichtig, wo ich das las, ich weiß. In aller Regel ist es mir lieb zu sagen, woher ich was genommen, wo ich es gefunden habe. Eine Sache der Redlichkeit. Brecht klaute überall, dachte sich nichts dabei. Er hatte den Kapitalismus kennengelernt und richtete sich darauf ein, ein Verständnis von Anstand und Moral spiegelnd, negativ, das hieß auch Dialektik und verkaufte sich als Kampf oder Widerstand. Ansonsten halte ich etwas auf den armen B.B., es ist nicht seine Schuld, daß er in diese Scheißzeit geworfen wurde, als sie plötzlich diese Ideen umsetzen wollten, alle auf -ismus endend. Er war jung, innerlich kaum ausgebildet, hatte sich künstlerisch durchgeschnöselt, halb genialisch, halb abgeguckt das, was er präsentierte, aber es klang nach etwas, sogar sehr. Ins Fenster damit, das ging damals. Dalí trieb es nicht anders, dazu später einmal.) Ich habe vergessen zu erwähnen, daß das Zitat mich froh stimmte. Es traf mich an guter Stelle, es traf mich auf dem Weg zur Arbeit.


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