In den Sonnenaufgang

Der Schwiegervater liegt auf der Rückbank und stirbt, demnächst, so sieht es aus, es ist ein Film, sonst könnte ich nicht nur zusehen. Die Tochter sei schwanger, sagt der Schwiegersohn. Er fährt den Wagen, schaut abwechselnd nach vorn auf die Straße und nach hinten zu dem bluthustenden Mann. Es ist gekommen die Stunde des Einverständnisses zwischen Leben und Tod, das Weitergabemoment, ein Vermächtnis. Der demnächst Tote gibt mit, was mitzugeben ist. Er sagt: „Du bist ein guter Mann, du wirst ein guter Vater.“ Der Schwiegersohn schließt die Augen, nur für einen Augennichtblick, sagt dann, mehr für sich selbst: „Ja, ja.“ Er lächelt, aber es sieht aus, als ob er weint, und zwar glücklich. Rettend greifen ein die Landschaft und ein versonnenes Klavier. Kitsch und Kunst sind Spießgesellen.


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