Klischees besichtigen

Materie um sich aufschichten wie einen Schutzwall. Neue Geräte ausprobieren, anschaffen und besitzen. Alte Geräte wegschmeißen, die neuen zeigen und angeben. Sich etwas leisten, es erkennbar zu etwas bringen. Irgendwohin fliegen, dort shoppen, New York oder Barcelona, Wochenendtrip, bißchen stressig, aber irgendwie doch hip oder cool. Ein entschuldigendes Wir-können-uns-das-leisten-sorry-Lächeln auf dem Freizeitsonnengesicht. Begegnungen in der Fußgängerzone mit anderen Hochleistungsfreizeitgesichtern, sneakerleicht unterwegs. Austausch der Destinationen zum Abgleich der Standards. Weiter ist besser. Erfolgreich sein oder scheinen, Investitionen ins Image. Bloß nicht geschlagen geben, nicht aufstecken. Wer kann mehr, weiß mehr, hat mehr. Wer führt das Rattenrennen an, wer gewinnt den Leerlauf um Zeit und Raum? Wer bricht als erstes zusammen, schluchzend, wer läßt sich auch von Therapien nicht mehr aufpäppeln, wer schmeißt hin und kommt zu sich selbst in diesem Volk von Neurasthenikern, diesem abgehetzten Bürgertum, das den Geist zum Glück noch nicht ganz aufgegeben hat, wenn auch fast. Ich unterstelle das. Ein Leben lang haben wollen wie die gierigen kleinen Kinder, die wir einmal waren, als wir uns ausdehnen und wachsen mußten und das, was in unsere Nähe geriet, daraufhin geprüft wurde, ob es uns einen Zugewinn an Macht und Möglichkeiten bescherte. Aber da wußten wir das doch nicht – das, was wir jetzt wissen und verstanden haben.


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