Das schöne Leben

Das schöne Leben – so heißt ein Band mit 107 Prosastücken von Wolfgang Hermann aus dem Jahr 1988. „Ich möchte Dir sagen, wie gern ich langsam in Deinem Buch lese. Dessen Bilder, so fein von der Sprache begrenzt, schaffen in mir größere, grenzenlose Bilder. Jetzt bin ich in der Mitte und freue mich, dass ich noch eine Zeit des Lesens hier, bei gleichzeitigem Blick in die herbstlich sich lichtende Weide vor mir habe“, schrieb Peter Handke dem Autor in einem Brief. Von Hermann las ich damals auch, irgendwann in den Neunzigern, Paris Berlin New York. Verwandlungen (1992). Die Städte kamen in dem Buch zwar vor, aber nicht als Eindruckskulisse oder Sehenswürdigkeit. Es geschah etwas mit dem Erzähler in diesen großen Städten. Man sollte es tatsächlich Verwandlung nennen, eben weil es sich um Zartes und Unmerkliches handelt. Den sogenannten großen Ereignisse gehört ein Zuviel der Aufmerksamkeit. Sie krachen und lärmen, und der Widerhall dieses Lärms beschäftigt die ertaubenden Sinne. Unterhalb dieses Lärmpegels aber findet das eigentliche Leben statt, und das hat mit Getöse wenig zu schaffen, eher mit dem Berührtsein und dem Erschauern und dem „sanften Gesetz“.


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