An der Quelle

Es war unspektakulär an der Quelle, still, fast heilig. Um das Quellbecken verläuft ein Steg, der mit einem Holzgeländer gesichert ist. Man umschreitet das frische Wasser, seltsam selbstverständlich, in etwa so, wie man eine Kirche besichtigt, wenn einem nicht danach ist, auf die Knie zu fallen, zu beten oder andächtig zu sein. Warum denn auch beten – das Wasser fließt. Aber daß es fließt und ausreichend, daß die Rhume fließt und in die Leine, die Leine in die Aller, die Aller in die Weser, die Weser ins große Meer – das ist doch gut, darauf möchte ich mich verlassen. Daran dachte ich damals nicht, ich sah nur: so sieht eine große Quelle aus. Das war fürs erste zu lernen. Doch – ich war andächtig dort, im Gehen und Stehen, ohne Worte. Etwas ist, aber kann nicht auf der Stelle verstanden werden. Die tausendfach erklärten Wunder des Lebens.


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