Soeben eine Kinski-Parodie gesehen, aus Anlaß einer Filmpreisverleihung, 2016, Thomas Gottschalk moderierte. Der Parodist trug Kinski-Kleidung wie in Fitzcarraldo, hatte auch die Haare auftoupiert, wurde an- oder abmoderiert als der „Zorn Gottes“, demnach als Aguirre. Während der Kinski-Wiedergänger die Lippen aufwarf, mit der Zunge seinen Mundraum ausleckte und das Publikum beleidigte, die Preisträger „Arschloch“ nannte und kinskiesk das Bühnen-r rollte, dachte ich angesichts der Schleimer, die sich in Schale geworfen hatten und Preise erhofften: Klaus Kinski hatte recht, aber aus falschen Motiven. Er war verstört, aus dem Gleis geworfen und selbstbezogen, Patient seiner selbst, böse und gemein zu den Seinen, ein Opfertäter, ein Täteropfer. Andere zu beleidigen kann eine Art sein, sich zu befreien, einen kurzen Augenblick lang. Zu zeigen Ich bin ein Schwein scheint das zu leisten. Sehnsucht nach Liebe in ihr Gegenteil getauscht, Haßt mich doch alle! als Trotzreaktion des Kleinkind gebliebenen Talents. Der Parodist machte seine Sache gut, nur daß er eine Parodie parodierte. Kinski spielte ja nur Kinski, das war seine Therapie.
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