Materie tot oder lebendig

Postkarten, Briefe, Notizzettel, Spielfiguren, Spielkarten, Talismane, Muscheln, Schnecken, Steine, Federn, Tannen- und Kiefernzapfen, Kastanien vom letzten und vorletzten Jahr, Sandfläschchen. Die haben sich hier eingefunden und tun nichts. Der Flaschenöffner liegt entspannt zur Seite des Kerzenständers, regt sich von allein niemals. Die Lavalampe steht abseits und ist in ihrem Stehen und Einstauben ein Denkmal, eine Astronautin aus älterer Zeit (als die Siebziger wiederentdeckt wurden in den Neunzigern). Die Bücher stehen in Reihe und Glied und warten auf Bestätigung. Sie fühlen nichts, sie sind aus Papier. Ich fühle, wie sie mich belagern und belauern, passiv aggressiv, stets entschuldigt; nie was gemacht; immer nur gestanden oder gelegen, wohin sie gelegt oder gestellt wurden. Dort auch vergessen. Nun prüfe ich, ob sie hier bleiben dürfen. Entscheidungen kosten Kraft und Überwindung. Würden die Gegenstände tatsächlich leben, gäbe es viel Geschrei. Das findet in mir statt, deshalb ist es leise und unheimlich hier.


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