Nein, die Bücher wirken nicht „passiv aggressiv“ – das trifft es nicht. Aber sie drücken in den Raum, strahlen in ihrer disziplinierten Menge aus. Zum großen Teil sind sie alphabetisch geordnet, das ergibt bemerkenswerte Nachbarschaftsverhältnisse. Michael Kleeberg neben Heinrich von Kleist, Julius Evola neben Oriana Fallaci, manchmal strömt es, manchmal brennt’s. Das „geistige Ringen“ des 20. Jahrhunderts in verstummten Bänden. Von diesen erbitterten Streitigkeiten ist wenig geblieben, die Magazine sind leergeschossen, die Munition scheint verbraucht. Technische Visionen haben übernommen, das Unglück wird statistisch erfaßt, man isoliert, operiert, therapiert. Auch die gute alte Erde ist Patientin und muß behandelt werden. Das Glück lächelt aus dem Richtigmachen im Gewußt-wie. Wer braucht da noch Ontologie? Die Kirchen unterbreiten Sinnangebote. Mars ist die neue Heimat des Menschen. Die Kinder gehören den Konzernen, umkreisen deren Markenkern. Neuer Glaube an Tüchtigkeit ist erweckt. Sind das Stufen einer Treppe, wohin führt sie? Nichts rätselhafter als die Gegenwart. Nein, die Bücher sind voll von etwas, zu dessen Beschreibung ich viele schwere Wörter herbeischleppen müßte. Ich möchte wieder mehr lesen. Diese Jetzt-Zeit macht mich leer und traurig. Buntes Fuchteln, Zappeln und Zeigen. Lauter süße Lebensbeweise, dazu die Angstgrimassen, die Panikattacken. Nackter Aktionismus als Ausweis von Tatkraft und Führungsstärke. Konzentrationsschwierigkeiten, Sinnsprünge. Unlust? – nichts wie weg! Selbstdesign und Lustigkeitskrämpfe, hinter der Bühne wird gekokst und gekotzt. Alle suchen den Superstar, dabei kennt ihn jeder.
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