Könnte oder dürfte ich nicht schreiben – was täte ich bloß! Wohin mit dem, was mich beschäftigt, erhebt und bedrückt? Ich müßte verrückt werden oder pausenlos brabbeln (was in etwa aufs gleiche hinausläuft), ich könnte für immer verstummen und liefe herum mit gesenktem Blick, dauernd schluckend. Wie verbrächte ich meine freien Stunden? Ich kann nicht anhaltend aufnehmen – es muß auch wieder hinaus. Habe ich zwei Tage nicht geschrieben, bekomme ich Schlagseite und werde schwer. Ich gerate aus meinem Zentrum in die strudelnde Peripherie, fühle mich „komisch“, gerate in ungute Zustände. Schreiben ist Ersatz, sagen manche. Ersatz für ein gelebtes Leben, eine Vita activa? Aber ich handle doch, ich handle geistig, und das auch dann, wenn ich alles Schriftliche für mich behalte. Es gibt tausend Arten und Wege, mit dem eigenen Leben fertig zu werden, es als Last und als Lust zu empfinden – der Weg des Schreibens ist einer der friedfertigsten und leisesten. (Es sei denn, man fängt an zu agitieren.)
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