„Ich werde immer wieder entlarvt“

Das Helle der Nächte zur Mittsommernacht ist. Als bemerkte ich es zum ersten Mal. Weiße Nächte – ihr Schimmer erreicht die Gemäßigten. Ich möchte auch tanzen, finde keine Ruhe, sitze hier noch. In guter Unruhe. Keine Überdehnung, keine Stauchung. Ich sitze und atme, und wenn ich gehe, gehe ich und atme. Das ist fast schon alles. Und dann lese ich in den Tagebüchern von Anaïs Nin, 1934-1939. Das ist das Ereignis meiner Tage. Ich möchte sie unaufhörlich zitieren, wäre „zitieren“ nicht so häßlich. Das Spitze, das Genaue, das Piekende daran. Korinthenkackerei, Kleinliches. Wer in den Details Punkte machen muß, hat im Größeren schlechte Möglichkeit. Anaïs Nin zeigte sich unerschrocken gegenüber all jenen Großen, die ihr begegneten – sie konnte sich vertrauen oder mußte. Ich vergesse meine Fahrten, während ich lese. Tagebücher sind gut für unterwegs.


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