Ich befürchte und hoffe zugleich und weiß noch nicht, wie ich beides voneinander unterscheide und wo die Trennlinie liegen mag – ich befürchte, daß nahezu alles Reden über die Dinge, die Welt, die Zustände mehr von demjenigen handelt, der spricht, als von jenem, über das ausgesagt wird. Dennoch findet beides zueinander, denn dasjenige, das bemerkt, ist eingefügt in einen Zusammenhang, der das Bemerken des Bemerkenswerten gestattet. Subjekt und Objekt situativ vereint. Können Objekte handeln, können sie bewirken, entsteht auf solche Weise Objektivität? Nietzsche machte sich darüber lustig, verneinte diese Annahme, empfand Historismus und Positivismus als Zumutungen wider den Geist. Es ist wie bei Photo und Film – die Sehenden sind die Wählenden, sie schaffen das Bild innerhalb eines Rahmens, den sie gesetzt haben. Objektivität ist nicht möglich, aber es gibt Annäherungen. Wahrheit ist einerseits absolut und unerreichbar, andererseits eine Annäherungs- und Zielgröße, mit der Menschen arbeiten zu können meinen. Wie mit Gott, den sie sich ja ebenfalls handgreiflich zu machen verstehen. Fortan schlage ich die Zeitung anders auf, höre genauer zu. Alles spricht sich selbst, permanent, spekuliert auf Anschluß. Geisterreich des Sinns, umwölktes Bewußtsein, intakte Kommunikation.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.