Wissen wer man ist und was nicht

Es ist gut, noch aus einer anderen Zeit zu stammen, wenigstens zu einem Teil. Man erreicht das von selbst, darf nur nicht vergessen, wie es gewesen ist „damals“, wie es sich anfühlte. Mein Damals sind die ausgehenden siebziger und achtziger Jahre, als ich wahrnehmen und verstehen lernte. Da galt Kritik, übte ein jeder sich in ihr, gehörte es zum guten Ton, wenigstens kritisch zu sein, wenn schon nicht ganz dagegen. Die ökonomischen und sozialen Verhältnisse Westdeutschlands ertrugen das. Dann begann irgendwann das, was ich als ängstliches und hektisches Mitmachen beschreiben würde. Seitdem grinsen die Portaitierten in die Kameras, recken den gestreckten Daumen in die Luft, herrscht der Frohsinn gemeinschaftlich ertragener, demnach erträglicher Sklaverei. Wo die Empörung bleibt? Empörung ist veraltet, Empörung ist Altersangelegenheit, Empörung ist nicht smart. Man müßte auch wissen, was man eigentlich will. Dazu müßte man sich verbunden sein, Zugang zu Quellen besitzen. Die Verbindungen laufen derzeit in andere Richtungen. Die sogenannten sozialen Medien unterbreiten Angebot auf Angebot. Daß die Ideen des Silicon Valley aus der Hippie- und LSD-Bewegung stammen, glaube ich unbesehen. Technik fußt auf Bewußtseinsutopien. Die meisten wollen weg von sich, bloß weit weg, behaupten aber das Gegenteil. In die eigene Leere eintauchen wie in einen Kontinent ohne Schrift und Bedeutung. Dort lebt auch niemand, man kann was machen, alles machen, freihin. Den Wald anzünden, in einen Fluß pissen, munter zu. Nichts ist interessant, wenn man allein ist, unumgeben allein.


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