Lesung. Mein Name wurde aufgerufen, ich ging nach vorn. Ich zog die Papiere aus der Tasche und stellte fest, daß sie unleserlich waren. Die Schrift war verschmiert, hatte sich teilweise abgerieben oder war verblaßt – ich konnte nichts lesen. Also sprach ich frei und erfand etwas Neues. Das gefiel dem Publikum, es lachte und applaudierte. Ich machte weiter, durfte nur nicht daran denken, daß mir in Kürze vielleicht nichts mehr einfallen könnte. Schon geriet ich ins Stocken und schnappte nach Luft wie ein Fisch, der aus seinem Element gerissen wird. Dabei fällt immer was ein, wenn man es läßt. Nun vertraute ich wieder meiner Stimme und geriet in eine schöne Periode langer Sätze, die wie von selbst zu einer Pointe führten, mit der ich leben konnte.
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