Die Zeit scheint reif für den Aufstand der Kinder und Jugendlichen, einen ‚Kinderkreuzzug‘ gegen Umweltverschmutzung und die systematische Vernichtung der Lebensräume und des nichtmenschlichen Lebens (Artensterben) auf unserem Heimatplaneten. Wenn die 16jährige „Klimaaktivistin“ Greta Thunberg den Erwachsenen und Politikprofessionellen in der UN-Vollversammlung die Leviten liest, spricht das Bände. Es muß erst ‚ein Kind‘ kommen, damit ‚die Wahrheit‘ ausgesprochen werden kann. Sagte dieselben Sätze ein Erwachsener, würden sie ihn dort auslachen; er würde sich blamieren und als jemand zu erkennen geben, der offenbar nicht gelernt hat, ‚wie es läuft‘. Denn darin besteht das Erwachsenwerden offenbar: zu lernen und zu akzeptieren, wie es läuft. Allein diese Verstehens- und Mitmachroutine erkannt, durchschaut und attackiert zu haben ist ein Verdienst. Wenn eine Jugendliche erklärt, sie sei am Ende ihrer Geduld, beschmunzle ich das nicht, sondern meditiere über meine entsetzliche Geduld, der ich ebenfalls mit vierzehn oder fünfzehn Jahren zu erkennen meinte, wohin ‚das alles‘ läuft. In meiner Heimat holzten sie damals die letzten Alleebäume ab, begradigten die Flüsse, bauten die Straßen aus, setzten uns ein Atomkraftwerk vor die Nase. Nun, dreißig Jahre später, ist es erneut Zeit für eine machtvolle Umweltbewegung. Daß sie von den Jüngsten kommt, ist kein Makel, sondern ein Zeichen. Daß statt von Umweltschutz nun von Klimaschutz die Rede ist, halte ich für problematisch. Letztens Endes geht es darum, daß ‚wir‘ unseren Lebensstil und unsere Ökonomie ändern müssen. Weniger ist mehr, hieß das einmal. Haben oder Sein fragte ein Buch, lange her. Man wird sich mit der Psychopathologie ganzer Jahrgänge beschäftigen, die ökonomische Vernunft neu durchdenken müssen. Verschwendung und Zerstörung sind nicht vernünftig und waren es nie. Wir agieren und produzieren inmitten eines Tollhauses. Daß das nun bekannt wird, ist gut, und daß die schmale und grimmig schauende Greta Thunberg einen Beraterstab hat und PR betreibt, sei ihr gegönnt. Ihre Gegner haben das auch alles. Man kann sich einen Aufstand gegen die herrschende ökonomische Unvernunft anders vorstellen, geschmäcklerisch werden, das Haar in der Suppe suchen. Nur zu. Doch dieser Aufstand läuft bereits, während ein anderer nicht in Sicht ist.
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