Flucht ins Wirkliche

„Man sagt ja oft, ein Schriftsteller – der würde vor dem Leben flüchten, indem er schreiben würde. Das erscheint mir so völlig absurd, weil gerade ein Schriftsteller, oder jemand wie ich, das Leben auf die unabgeschirmteste und brutalste und andererseits wieder auf die intensivste Weise erlebt. Weil er keine Systeme davor hat, die das in ihm abschirmen können; keine Hausmittel, um sich vor dem Sterben zu bewahren, vor der Todesangst; keine Abelenkungsmanöver, mit denen er sich vor Haß und Liebe bewahren kann. Ich glaube, ein Schriftsteller, der ohne Systeme arbeitet, der ist dem Leben auf das fürchterlichste und glückseligste ausgesetzt. Also gerade das Gegenteil von dem, was man sagt.“

Peter Handke in Georg Stefan Trollers Filmportrait Handke in Paris


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Flucht ins Wirkliche

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert