Es gibt nichts Unwichtiges. Ein Jegliches hat seinen Stand und Wert. Wer wichtig von unwichtig scheidet, muß ein Drittes einführen, nämlich ein Kriterium. Ein Kriterium ist ein Unterscheidungsmerkmal, es dient zu dem, was es leistet. Es gibt nichts Unwichtiges im Absoluten, denn alles ist zusammengesetzt aus etwas, und das kleinste Etwas, wie winzig und dennoch teilbar es auch werden mag, konstituiert durch spezifische Eigenschaften und Anordnungen sein jeweils Ganzes. Es gibt nichts Unwichtiges im Reich (und das heißt: Reichweite) meiner Sinneswahrnehmungen. Eins spielt ins andere, ich muß nicht davon wissen. Wie las ich kürzlich – wir können mehr als wir wissen. Das war nicht aufmunternd gemeint, bezog sich vielmehr auf Kognition und die Tatsache, daß das Wenigste dessen, was in uns und mit uns geschieht, die Schwelle zur Bewußtheit überschreitet. Wenn ich wüßte, was mein Körper und seine zahllosen Diener in diesem Augenblick leisten, fiele ich augenblicklich in Ohnmacht. Ich kann und darf es nicht wissen, um den Preis seines und meines Funktionierens, d.h. Lebens. Könnten wir das sogenannte Unwichtige wegnehmen, also verschwinden lassen, stünden wir in einem leeren Bild in leerem Raum, gingen dahin, sähen vereinzelt dies oder das: einen imposanten Kopf, einen flauschigen Mantel, einen schiefen Baum oder eine langsame Fußgängerampel, mitunter chimärisch isolierte Szenen einer bestimmten Vergangenheit, anderes mehr. Das sogenannte Wichtige ist das, von dem angenommen wird, daß es wert ist. Wer sich etwas auf sein Bewußtsein einbilden möchte, kann das tun.
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