Gottesdienst und Kindheit. Man wurde dorthin verdonnert. Ich ahnte dunkel, daß es Gott nicht interessiert, wer dort sitzt, steht, singt, betet, schnarcht. Ich studierte die Maserung der Kirchenbank, die drehbaren Kleiderhaken daran, den Aushang der Lieder und Strophen. Im Gesangbuch fand ich manchmal die passende Seite, selten die richtigen Verse. Geheimnisse offenbar, ein mir unbekannter Code. Alle anderen wußten Bescheid, man merkte es ihnen an. Dabei traute ich mich kaum, in ihren Gesichtern danach zu forschen, was sie mit dieser spröden Veranstaltung verband. Sie hatten diese undurchdringlichen Mienen, trugen sie wie ein zweites Gesicht. Suchte ich Inbrunst? Ich kannte das Wort nicht, doch die muß ich gesucht haben. Ich lernte dort, mein Gähnen zu unterdrücken und widerwillig durchzuhalten. Hinterköpfe vor mir, Hälse und Haare, Schultern. Seitdem langweile ich mich in Kulturveranstaltungen.
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