Hände hoch

Wohin entweicht das Wilde, wenn zivilisiert wird? In den Abenteuerroman, in die Armee, ins Irrenhaus? In die Träume, in den Rausch, in die Phantasie? In die Kunst, in die Raumfahrt, ins Esoterische? In Diebstahl, Raubmord, Plünderung? In Wollust, Gier, Genußsucht? In Grausamkeit, Quälerei, Sadismus? Dreifach weiter bis ans Ende des Vorstellbaren. Wir sind nicht das Gute, das beschworen wird. Frieden ist die zeitweise Abwesenheit von Krieg. Krieg ist der Versuch, Wildheit kollektiv zu organisieren: zähmen, lenken, richten, nutzen. Leben weitet sich aus, es wächst die Wände hoch, man hat es erlebt. Ich bin ein Kind der Alpträume, dorthin entwich meine Wildheit. Ich hatte Angst vor der Zivilisation und ahnte wohl, was kommen würde. Es kam. Ich überlebte. Nun schreibe ich hier diese Sätze, wozu auch immer. Wäre ich brav, läge ich zu Bett und ertüchtigte mich dort. Stattdessen sehe ich mir Fernsehserienwikinger an, die christianisiert werden.


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