Improvisation

Die Vordergründigkeit der täglichen Verrichtungen. Ich habe heute den gesamten Tag über gehandelt: mich bewegt und gesprochen, zugehört und kaum aufgehört, mich zu bewegen. Die Informationen habe ich erhalten und verstanden. Ich habe auch reagiert, so daß deutlich werden konnte, daß ich verstehe. Nun nähert sich dieser Tag zählerisch seinem Ende, es ist eine Minute vor Mitternacht, gleich ist es nach Mitternacht. Jetzt erstmal Mitternacht. Geisterstunde nannten wir sie als Kinder, die Zeit nach Mitternacht. Nun eine Minute später, 00:01. Aber die Vordergründigkeit … darüber wollte ich sprechen. Es geschieht jeden Tag etwas, aber ich verstehe, während ich verstehe, immer nur die Hälfte, die sichtbare, die zugängliche, die allgemeine, die gewünschte, die vermittelbare, die schnelle Hälfte. Dabei hat es sein Bewenden. Ich kann nicht täglich alle Karten umdrehen, um zu schauen, was auf der Rückseite steht. Manchmal ereignet sich eine Ruhe, und in ihr ist es möglich, dies zu tun. Die Karte ist nur ein Bild, und an dieser Stelle lege ich Karte und Bild ab. An allem Sichtbaren hängt ein Rattenschwanz an Unsichtbarem, und kaum zieht man daran, kommt nicht eine, sondern kommen viele hundert Ratten zum Vorschein. Deshalb wurde die Psychologie entwickelt – um dieser Rattenplage Herr zu werden. So spricht jemand aus Hameln, das ist nun deutlich. Zurück zur Vordergründigkeit. Ich fragte mich eben, unschuldig wie ein Kind: Was hast du heute eigentlich erlebt? Es war so viel, daß ich gar nicht weiß, wohin ich es legen kann und wohin es gehört. Ich möchte sorgfältig sein und genau. Das wünsche ich mir. Doch mein Tag fordert von mir, daß ich schnellhin bin. Wer ist mein Tag? Was darf er und warum darf er das?


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