Hotelzimmerblues

Nach der Lesung – sonst immer ein Zerschmettertsein. Das Hotelzimmersyndrom der Bühnenkünstler, doch wir dürfen nach Haus und in unsere — eigenen — vier — Wände. Wände. Warum vier, was daran soll eigen sein? Zuhause sein, ein regressiver Traum aus Wänden und Raumbestückung. In der Lesung habe ich mich veräußert, das gehört dazu. Wer nicht letzten Endes alles zu geben bereit ist, sollte sich mit den Künsten nicht einlassen oder lieber nur von ungefähr. Es gibt dort keine bürgerlichen Rücksichten. Das bedeutet nicht, daß Lizenzen verteilt sind für nacktbloße Privatheit. Ich schreibe diesen Text, weil wir heute online gelesen haben – vor einem Publikum, das degradiert war. Aber auch wir, die wir lasen oder spielten, waren degradiert. Verminderte, die sich technisch behelfen. Das Behelfsmäßige ist Kennzeichen derzeitiger Situationen. Ich werde nachschlagen, was absurd bedeutet. Ich nahm an, ich kenne Bedeutung, sogar den Sinn.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hotelzimmerblues

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert