Der Verstand ist recht schnell mit allem, was neu und erklärbar ist. Das Gefühl dagegen, ihm an Schnelligkeit sonst vielfach überlegen, benötigt jeweilige Zeit. Noch immer fühlt sich, wenn ich von mir sprechen darf, dieser Zustand (nennen wir ihn so) nicht an. Er kann sich nicht anfühlen, da ich ihn nicht kenne; es fehlt der Vergleich. Er fühlt sich an wie … Mein Verstand erklärt mir rauf und runter, was los ist. Auf dieser Ebene des Verstehens benötige ich wenig. Aber auf der anderen, der tieferen, herrscht derzeit noch Konfusion. Ich bin weit von jeder Art der Gewöhnung, kann den „Zustand“ in keiner meiner Erfahrungen unterbringen. Er ist neu. Allein das macht ihn gefährlich, bedrohlich, virulent. Wie alle anderen bin ich überfordert und improvisiere mich durch mein erstaunlich strukturiertes Leben. In den freien Stunden falle ich in melancholische Träumereien und gedenke der unterbliebenen Suizide.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.