Tugend

Vielleicht bin ich etwas wundgeschlagen, insofern nicht distanziert genug, und sehe deshalb die Serie Ozark mit den Augen, mit denen ich sie sehe. Eine intakte und sogenannte heile Familie geht moralisch vor die Hunde. Geld, Angebote, Verlockungen. Eins zieht das andere nach sich, wie es in Serien zu geschehen pflegt. Das Leben ist eine Serie, wir spielen in ihr. Überschrift fehlt, bisher mag es niemand verfilmen. Wer anständig ist und sich nur kleineren Verfehlungen schuldig macht, taugt nicht für die Verfilmung. Drehbuchautoren wenden sich ab. Doch in Ozark passiert was, ist vorher etwas passiert. Alle könnten glücklich sein, doch dann kommt es zu diesem Mißgeschick, dem weitere folgen. Irgendwann kann man nicht mehr nein sagen, dann hängt man drin. Loyalität ist gefragt. Schon gibt es Tote. Erfolgreich sein ist leicht, es zu bleiben deutlich aufwendiger. Spielen die Kinder mit, obwohl sie längst wissen (ahnen), daß ihre Eltern Verbrecher sind? Ozark portraitiert ein Bürgertum, daß den Ast, auf dem es (historisch bedingt) sitzen darf, kurzerhand kappt. Um dieses Astes wegen wurden in der (frz.) Revolution (von sonstwann) Menschen einen Kopf kürzer gemacht.


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