Glück gehabt

Mein Vater hat mich nicht „Sportsfreund“, „Kumpel“ oder „mein Freund“ genannt. Wie hätte er es tun können – er verstand nichts vom Sport, war nicht mein Kumpel, meine Freunde waren meines Alters. Es gab keine Verbrüderung und konnte sie nicht geben, denn er war nicht ein Bruder. All das gilt bis heute, zum Glück. Mein Vater ist mein Vater, und das bleibt so. Er soll sich nicht an mich heranmachen, indem er so tut, als seien wir gleich. Wir sind es nicht. Ich bin jünger als er, er ist älter als ich. Mit sechzehn habe ich versucht, ihn im Armdrücken zu besiegen. Darum ging es auch zwischen uns. An ihm habe ich mich messen können. Heute messen wir uns nicht mehr. Es gibt eine Liebe, die Distanzen wahren kann. Sie ist nötig in Familien. In Familien sind die Teilnehmer dazu verdonnert, sich nahe zu sein. Ich halte Familien deshalb sicherheitshalber für zusammengewürfelte Truppen, in denen man froh sein darf, wenn es nicht allzu schlimm ist. Erneut meine Mutter – sie verabscheute das, was sie Affenliebe nannte. Ich weiß bis heute nichts über Affenliebe, aber sie meinte dieses Beglucken und Behätscheln und Mein-Kind-ist-alles-Getue, die Grausamkeit gegen die liebende und lassende Vernunft.


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