„Lyriker sind Sprachkünstler, die die Gegenwart in Worte fassen. Für Rolf Dieter Brinkmann, ein genuin lyrisches Talent, war die Haltung des Dichters bestimmend. Er war gleichsam ein Sinndetektiv, ein Gegenwartsbefrager mit einem leidenschaftlichen Verhältnis zur Sprache und zur Wirklichkeit.“ (Rundfunkportrait)
Die Gegenwart in Worte fassen? die Haltung bestimmend? Sinndetektiv? Gegenwartsbefrager? leidenschaftliches Verhältnis zur Sprache? und zur Wirklichkeit? Ich lache mich kaputt.
Brinkmann schrieb ins Vorwort zu Westwärts 1&2: „Mag sein, daß deutsch bald eine tote Sprache ist. Man kann sie so schlecht singen. Man muß in dieser Sprache meistens immerzu denken …“
Manchmal klappt auch das nicht gut. – Ansonsten ist das Radioportrait von 2015 okay, nur daß recht aufdringlich versucht wird, Brinkmanns Modernität dadurch herauszustellen, daß er Montagetechniken verwendet hat, die angeblich aufs Internetzeitalter verweisen.
Brinkmann war modern, er muß es nun nicht mehr sein. Nach ihm ist einiges noch gekommen, der junge Durs Grünbein hat sich bei ihm was abgeschaut.
„Das Lernen macht weiter. Deutsch macht weiter. Wiesen im Winter und warme Asphaltstraßen machen weiter, die Straßenecke macht weiter, die Wetterberichte machen weiter. Die Nachrichtensprecher machen weiter. Der Sonntag macht weiter. Der Montag macht weiter. Der Postbote macht weiter. Der Dill macht weiter, und die Blätter machen weiter, die Zwiebeln, die Kuh, die Steine, der Film. Der Schallplattenspieler, repariert, macht weiter. Die Interpretationen machen weiter.“
Die Gedichte machen weiter.
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