Durch mich wandeln

Durch mich wandeln Einzelne und Familien, Paare und Freunde, Kunden und Kaufleute, Kämpfer und Kollaborateure. Ich bin die Wandelhalle der sprechenden Probleme und des problematischen Schweigens. In mir hallt es wie in einer Werkhalle morgens vor Schichtbeginn, wenn einer mit einem Vorschlaghammer auf die Stahltrosse drischt, sagen wir, es ist ein Wutanfall. Ich bin ein überladenes Boot mit Schlagseite, zum Glück ist nicht hohe See. Fehlen uns die Paddel? Sagt nicht, ihr habt die Paddel nicht an Bord. Paddel mal mit deinen Fingern und Händen und Armen, wenn der Bootsrand einszwanzig über der Wasseroberfläche ist. Da muß jemand festhalten, damit der Rumpf nicht überkippt zwischen die Haie. Einige schlafen, andere bestaunen die Sterne. Nein, wir sind nicht auf der Flucht, wir suchen das Vergnügen, nachdem es uns verloren hat. Durch mich wandeln Figuren und Kulturen, ganze Völker schemenhaft. Diese vielen Menschen jeweils, und zu jedem eine Geschichte und Herkunft und Zukunft und sonstwas. Mich selbst noch bedenkend, der ich tragende Pfeiler zu unterhalten habe und die Konstruktion zu checken. Höre ich gut, knistert da eine Leitung? Ein Fenster wurde eingeschlagen, das sieht schäbig aus. Aus den Dachrinnen wachsen Birken. Das ist ein gutes Zeichen, die Natur lebt. Sie lebt alles weg, was ihr nicht gewachsen ist. Schon regnet es, die Rinne läuft über, und es plätschert zu meinen Füßen, so beruhigend, so zart. Nachts sperre ich zu.


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