Prismatisch

Da die Krise sich zu verschärfen scheint, bekommen wir einiges zu sehen – zu erkennen. Ein Spektrum an Meinungen und Haltungen eröffnet sich gegenüber der unbestimmten Gefahr. – Das Virus ist erratisch, hat der Tagesspiegel-Redakteur im Interview gesagt. Er war einer der ersten Schwererkrankten durch COVID-19 und befindet sich noch in Rekonvaleszenz. – Wir erleben (in unsortierter Folge) die verschiedensten Gruppen und Mentalitäten, Wertvorstellungen und Verhaltensdispositionen. Warner, Mahner, Alarmierte, Besorgte, Ängstliche, Vorsichtige, Regeltreue, Bedächtige, Entschiedene, Abwägende, Skeptiker, Zweifler, Apokalyptiker, Absolutisten und Relativisten, Gläubige und Ungläubige, Staatsbürger und Anarchisten etc. In dieser Gemengelage haben es Wissenschaften und Politik gleichermaßen schwer, auch der Journalismus gerät in Schieflagen. Die meisten entscheiden oder votieren nach Gefühl, folgen ihrer inneren Stimme – beziehen sich aber auf Zahlen und Fakten, Studien und Autoritäten. Einschätzungssache einerseits, Mentalitätsäußerung und Ausdruck der eigenen Persönlichkeit andererseits. Nicht anders als im wirklichen Leben. Denn dies ist das wirkliche Leben, aus der Perspektive von Menschen, die sich überproportional stark auf eine Bedrohung fokussieren. Sie handeln und optieren jeweils nach ihren Bedürfnissen. – Die Lage ist nicht komfortabel, aber interessant. Später befragt man uns als Zeitzeugen. Wie war das damals.


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