Ich war nicht sonderlich alt, da ist der Tod durch unsere Familie gerannt wie ein Irrer und hat mitgenommen, wen er fassen konnte. Bereits vor meiner Geburt nahm er mit: den Bruder meines Vaters, die Mutter meiner Mutter. Es folgten, ich war klein und hatte meinen eigenen Tod überlebt, die Mutter und der Vater meines Vaters. Ich war ein Kind, da vergifteten der böse Jäger (im Dorf hieß er Katzenköster) unseren Hund, der hieß Raudi. Ich sah ihn sterben. Auch Raudi II starb vor meinen Augen, er wurde auf der Dorfstraße von einem VW Leichttransporter überfahren, zuckte noch ein wenig, dann war es aus. Das sind doch nur Tiere. Es starben viele Tiere, ich stamme von einem Bauernhof. Ich war sechzehn, da nahm sich der Vater meiner Mutter seinen Tod. Ich sah ihn liegen in seinem Blut und dem Loch im Kopf. Ich war Mitte zwanzig, da nahm der Tod (wer immer das ist) meine Mutter und kurz darauf ihren ältesten Bruder. Später ging es dann halbwegs regelmäßig zu mit dem Sterben und dem Tod. Meine Patentante ist tot, ihr Mann ist tot. Ein weiterer Bruder meiner Mutter ist tot, ihre einzige Schwester ist tot. Je älter ich werde, das versteht sich, desto mehr sind tot. Aber wir wurden heimgesucht, eine Zeitlang, das weiß ich. Ich mag das Leben. Sein Trauerrand ist der Tod.
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