Eng gedrängt, aber in Wirklichkeit ist eine Menge Platz

Man kann über die Dinge hinwegstiefeln, die Einzelheiten wegtreten und sich oberhalb der lästigen und vertrackten Details wähnen. Sogar ein großer Teil eigener und mittlerer Jahre läßt sich auf diese fahrlässige Art vollbringen – indem man mit den Lebewesen und Dingen und ihrem zuverlässigen An-Ort-und-Stelle-Sein (oder ihren vorgezeichneten Bewegungsmustern) schlechterdings rechnet. Längst sind sie eingebaut in ein stattliches Gebäude der verläßlichen Gewißheiten oder gewissen Verläßlichkeiten. Wie man es auch dreht, es läuft stets auf dasselbe hinaus. Was ist, ist exakt so, wie es sein muß oder kann. Kategorischer Imperativ des Bestehenden, Phantasielosigkeit als ethisches Leitmotiv. Was ist, ist gut. Ist es nicht gut, so doch wenigstens notwendig. Eine bequeme, weil praktische Einrichtungsmoral hat sich breitgemacht, und die Erfolge geben dieser selbstbeglaubigten Ausdehnungslegitimation recht. Schließlich wehrt sich was. Eine Tür klemmt, Krankheiten ziehen durch, die Katze faucht unerwartet. Nichts ist auf unabsehbare Dauer angelegt. Was sich ausdehnt, muß weichen. Aber: etwas versucht zu haben, auf eigene Weise zu leben, ohne Zuhilfenahme von Romantik und anderen Koresettagen, adelt doch fast schon. Anschließend (nach vollbrachtem Werk) eine Zigarette, wie seit Jahren nicht mehr, mit Blick auf einen von der Jahreszeit zerfetzten Garten.


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