Will man denn wissen? Oder möchte man schnell mit der Sache fertig werden? Fakten sind die Belege, doch man muß wissen, wie sie zu lesen sind und wohin sie gehören. Sie sind das einzeln Konkrete, das in eine dynamische Ereignis- und Bildfolge überführt werden muß. Eine solche Folge würde ich Erzählung nennen. Eine Erzählung (sie sprechen von einem Narrativ) gibt Zusammenhang und spendet Sinn. Erst sie kann den Einzelteilen (Fakten) einen Platz zuweisen. Das ist deshalb brisant, weil auch wir Lebenden und Noch-nicht-Toten einen Platz suchen. Wir sind nicht Fakten, sind nicht Statistik – aber fallen in sie. Die Eingangsfrage beantwortend: Ich denke, in der Zivilisation, in der wir leben und die vor uns, für uns und mit uns installiert wurde, haben wir eine Heidenangst vor Krankheit und Tod. Die Todesgewißheit eines jeden wird nicht gerade geleugnet, aber bestens verdrängt. Wir sollen den Tod unter allen Umständen vermeiden. Da wir aber nicht sterben können, können wir auch nicht leben. Sagte ich das soeben? Ja, ich sagte das soeben. So bleiben Leben und Sterben unbedeutend. Wir besitzen keinen Umgang mit Krankheit, Sterben und Tod. Schnell weg mit dem Zeug. In meiner Familie, sagte sie, gelten Krankheit und Tod als unanständig.
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