Zu den Höhepunkten des Tages gehört die Begegnung mit dem Spätkauf-Verkäufer. „Scheiße“, sagt er. „Nichts los.“ 21 Uhr sonstwas. Die Straße liegt naß und verlassen, und das erste Mal, seit ich hier wohne, bemerke ich, daß sie ausgerollt wirkt. Asphaltener Fluß, schwarze Lava, talwärts entlang der Gräber. Straße der Friedhöfe. Hier wurde reichlich gestorben. Der Rewe-Markt wie eine Wärmehalle, Begegnungsstätte, Sozialstation. Willst du Menschen sehen, gehe dorthin! In den Nebenstraßen unseres Boulevard of Broken Dreams huschen geduckte Gestalten vorüber, keiner von ihnen möchte man folgen in deren Realität. Daß ich eigentlich wenig weiß, erinnern sie mich. Milieus, sagt man. Eine kalte Wirklichkeit haben sie uns hingestellt, und wir sollen in ihr – was? Eine Stadt ohne Gasthäuser ist ein mausetoter Ort. Man will dort nicht sein, zieht einfach weiter.
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