Ich wohne nicht

Manchmal führt das Leben vor, daß ich anders bin. Ich öffne eine Bierdose, und es klingt, als würde einem Kaninchen kurz und knapp das Genick gebrochen. Küche ist für mich ein Werkraum, ein Wohnzimmer gibt es nicht – da schreibe, lese, denke ich, höre Musik. Espedal zitiert Rilke: „Ich kann nicht wohnen.“ Im Schlafzimmer schlafe ich. Da stehen und liegen Bücher herum, weil mein Leben sich den Bücher angetan hat. Wenn ich irgendwo zu Gast bin, und wir sitzen im Wohnzimmer, fällt mir nichts mehr ein. In der Küche geht es noch, da ist ja was los. Bewegung, Gerüche, Handlung, Leben, Hunger, Vorfreude, Durst. Aber im Wohnzimmer, der wohl den Salon abgeben soll, kann niemand irgend etwas tun, außer herumsitzen, fernsehen, dösen. Auch läßt sich ein begonnenes Gespräch nicht mir nichts, dir nichts dorthin mitnehmen, wo die Hausfrau (so war das früher) meint, daß es angenehmer oder bequemer sei. Die Sofas und Sessel machen einen dümmer, die Fernbedienung ruft bereits. Aktiviere die Außenwelten. Bier aus der Dose schmeckt nach USA, Lagerfeuer oder Terrasse, nach einem langen und harten Arbeitstag, und die Zikaden geben unbezahlt was dazu.


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