Wenn die Pandemie mich etwas lehrt, dann zum Beispiel dies: daß ich es AUF DEN TOD nicht ausstehen kann, wenn man mir Angst machen möchte. Angst einflößen, sagte man früher. Einflößen, weil man nicht trinken mag oder nicht schlucken kann. Wer mir Angst machen möchte, ist fast automatisch mein Feind. Angst kann ich nämlich selber ganz gut, ich bin gut in Angst. Ich versuche ihr jeden Tag mindestens einen Kopf abzuschlagen. Denn Angst ist der Drache, der aus seiner muffigen Höhle herauskommt, wenn er denkt, es sei gute Zeit für eine Schreckensherrschaft. Nun erlebe ich seit einem Jahr diese schall- und reichweitenverstärkte Angst, die sich noch in den letzten Herrgottswinkel bewegen läßt und (unbemerkt) mehr sich selbst zum Thema hat als das, wovon sie handeln sollte. Da die Leute aber offenbar für taub oder geistig behindert gehalten werden, drischt man (wer es kann und will, der tut es) mit täglich neuer Kraft auf die Ohren und in die Bewußtseinsorgane des Menschen. Bis in die letzte Zelle hinein sind wir nun bekehrt zu Angst und Schrecken. Millionen neue Drachenköpfe. Ich kann die nicht abschlagen, ist nicht meine Aufgabe. Ich knöpfe mir meinen eigenen Drachen vor, dem wachsen mehr Köpfe als sonst, siehe oben. Volkserziehung ist ein Drecksgeschäft, fragt die Vorfahren. Zur Not muß man lernen, daß man nicht wie die anderen ist. Aber so klingt die Resignation. Es gibt auch Menschen, die einen aus der eigenen Sicherheit bringen wollen, zum Beispiel mit Fragen wie: Bist du dir sicher, daß du nicht …
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.