Nicht der Cherusker

In der schlimmen Zeit, vor ein paar Wochen, stand ich ganz unten in der Station und wartete auf die Untergrundbahn. Hermannplatz steht alle paar Meter auf den Fliesen. Vier Fliesen für den Namen: He|rma|nnpl|atz. Werden Fliesen gegossen, nein: doch wohl eher gebrannt. Nächstens werde ich zählen, wieviele Hermannplatz-Fliesen oben und unten dort hängen. Die Station hat zwei Ebenen und eigene Zugänge zum Karstadt-Gebäude. In der unteren Halle müßten einmal Konzerte stattfinden, eines Tages. Noch ist Neukölln ein schäbiges Viertel, aber das Geld ist bereits angekommen. Die Gerüste an den Wohnhäusern bezeugen den Wandel. Investoren wollen das Kaufhausgebäude aufwerten, indem sie es abreißen und nach Maßgabe des Vorgängerbaus rekonstruieren. Inwertsetzung durch Beseitigung, siehe Palast der Republik. Nun steht dort ein Schloß und wartet nicht auf die Hohenzollern. Die Republik zieht dort ein mit den Schätzen aus vorrepublikanischer Zeit. Vielleicht finden wir ja nächster Jahre einen passenden Monarchen für den leeren Thron. Im Untergrund sah ich vor ein paar Wochen, in der schlimmen Zeit, plötzlich nur noch platz-platz-platz. Der Zug fuhr soeben ein, ich halluzinierte nicht, war auch kein Hund. In der Bahn stand ich, setzte mich nicht.


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