Positionspapiere und Listen, arme Journalisten

Nach vorn dann die Ideale, die festen Überzeugungen, die vorzeigbaren Positionspapiere. Denn über sie läßt sich reden und diskutieren – die sind angreifbar und fungieren als Schilde im Turnierkampf vor der Öffentlichkeit. Welche Erwägungen dazu führten, ausgerechnet diese Formulierung zu wählen und jene zu verwerfen, weshalb ein Unterpunkt in der Endfassung des Programms nicht mehr erscheint, bleibt meist verborgen. Die Insider wissen Bescheid. Nichts geschieht ohne Grund, in der Politik gibt es keinen Zufall. Es sei denn, jemand stirbt oder ein Reaktor kollabiert. Journalisten möchten gerne Insider sein, schaffen es aber nicht. Das hat einen einfachen Grund – sie würden dann gefährlich oder könnten es werden. Journalisten im Parlamentsquartier sind froh, wenn jemand mit ihnen spricht, der sich einen Namen gemacht hat. Die Speichelleckerei hat nicht aufgehört mit dem Umzug von Bonn nach Berlin. Handverlesen sei die Gruppe der mitreisenden Korrespondeten gewesen, heißt es zuweilen. Jeder weiß, wer wem was schuldet. Dauernd ist von Verschwörung die Rede – was für ein pompöser Begriff für etwas derart Banales. Ich lasse doch nicht abstimmen, ehe ich nicht sicher weiß, daß ich gewinne. (Das gilt auf Partei- und Fraktionsebene, wohlgemerkt. Landtags- und Bundestagswahlen sind unberechenbar, darunter leiden die Betroffenen sehr.)


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