übertreiben:untertreiben. Wahl des Stilmittels zur Erlangung bestmöglicher Wirkung. Wirkungsziel ist der Wirkungstreffer. Wirkung bedeutet Veränderung. Verhaltensänderung einer Zielperson oder Zielgruppe. Treffer bedeutet: das Schwanken und Wanken des Gegners im Ring während des Boxkampfes. Das Umkippen einer Jury im Gerichtsprozeß. Zuvor der Stimmungswandel, schließlich die Wende im Abstimmungsverhalten. Die zwei Seiten ein und derselben Sache. Eine wird aufgedeckt, die andere verborgen. Die Karten im Kartenspiel zeigen zur Rückseite Uniform. Leben ist kein Kartenspiel, aber man kann zocken. Wie bekomme ich wen auf meine Seite? Meine Seite ist die gute Seite. Was möchte ich erreichen? Welche Mittel muß ich dafür veranschlagen? Wie reagiere ich, wenn die Wirkungstreffer ausbleiben? Wer ist schuld, wenn keines der Manöver sich als zielführend erweist? Soll ich über- oder untertreiben? Ich übertreibe, wenn ich eine Gefahr darstelle – ich untertreibe, wenn ich die Risiken ihrer Bekämpfung bespreche. Das ist völlig normal, so läuft das ständig. Für manche Kämpfe interessieren sich die Leute überhaupt nicht. Ihre Aufmerksamkeit ist begrenzt, ihre Erregungsbereitschaft ebenfalls. Einen guten Job gemacht hat derjenige, der sie länger als zwei Minuten an eine Sache fesseln kann. Niemand hört zu, wenn ein Thema nicht im Trend liegt. Nichts soll dem Zufall überantwortet sein innerhalb der Aufmerksamkeitsökonomie. Das gilt für sämtliche Themen, und ich denke, daß wir den Journalismus haben, den wir verdienen. Erst ist die Angst, dann kommt die Bedrohung. Vorsicht und Respekt sind etwas anderes als Angst, sogar die Furcht treibt sich gewiß nicht herum mit der Angst und möchte sich mit ihr keinesfalls verwechselt wissen. Denn die Furcht weiß was, während die Angst gar nichts weiß und in alle Richtungen vibriert. Vom Hundertsten ins Tausendste und zurück. Das machen die südlichen Winde, die die Wärme herbeischaffen und uns (mich) erlösen von dieser unerträglichen Quetscherei. Demnächst werde ich wildfremde Leute auf der Straße umarmen, wenn sie nur ein bißchen Mensch sind oder auch nur so wirken.
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