Zu den Songs

Warum notiere ich denn Songs? – Keine Ahnung (sagt man doch so); mir war danach, es war Nacht. Ich dachte an Songs, die ich „jetzt“ hören könnte – wenn ich die Nacht durchwachte und von Lied zu Lied lebte. Jetzt, fünfzehn Stunden später, wären es andere.

Musik sei mir wichtiger als Literatur, habe ich mal gesagt. Ja, sie ist gewaltsamer und gewaltiger – und suggestiver. Musik unterläuft das Bewußtsein der Worte. Deshalb lesen sich Konzertbesprechungen und Musikrezensionen so ungut. Lese ich die der – meinetwegen – professionellen Kritiker in den Feuilletons der Tages- und Wochenzeitungen oder im Rolling Stone, fällt mir auf, wie sie sich Mühe geben, nicht nur informiert zu tun, sondern auch cool zu klingen. Das ist Arbeit am Mythos und Verlust der journalistischen Distanz.

Die einen tun es, die anderen schreiben darüber. Man hat sich über die Impotenz der Kritiker weidlich verbreitet. Sie könnten einem leid tun, besäßen sie nicht gewisse Macht. Die Kritik selbst ist Kunstwerk, höre ich in einem Ohr, Kritik ist die Vollendung des Kunstwerks, im anderen.

Zuletzt las ich Kritiken zu Van Morrisons letztem Album. Beide beklagten die falschen politischen Ansichten des Sängers, der eine (FAZ) lobte jedoch die grandiose Musikalität der Stücke, während der andere (Spiegel) schrieb, das alles (Ansichten plus Musik) sei „übel riechender Pups“.


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